Die Corona-Politik der AfD

Interview vom 02. September 2021, 12.00 Uhr

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Herr Reich, beim Thema Corona fällt die AFD und fallen Sie persönlich durch das verkünden von Falschmeldungen auf. Zum Beispiel, dass die Regierung Ungeimpfte aus Supermärkten ausschließen will, haben Sie persönlich gepostet. Kein Mensch hat es gefordert und es ist auch nicht gekommen. Oder dass die WHO PCR-Test als unzuverlässig einstuft. Ist auch eine Falschmeldung gewesen, die durch die sogenannte „alternative Medien“-Welt geisterte und die die AfD weiterverbreitet hat. Tatsächlich hat die WHO einzig die Empfehlung gegeben, bei unklaren PCR-Testergebnisse einen zweiten Test durchzuführen.

Warum verunsichern sie die Menschen mit solchen nachweislich falschen Behauptung.

Thomas Reich AfD:

Also erstmal muss ich widersprechen, das ich solche Fake-News jemals gesetzt habe.

Wenn, dann habe ich das in Frage gestellt.

Können Sie auf Ihrem Facebook-Kanal nachlesen.

Thomas Reich AfD:

Ich mache einen Faktencheck auf Facebook Herr Holsten.

Und auch das mit der WHO, also ich persönlich setze keine Fake-News und würde es auch nicht tun. 

Es reicht ja, wenn die Regierenden die Bürger in Angst und Schrecken versetzen. Und sie durch bestimmte Zwänge in Ängste versetzen, dass sie Albträume kriegen. Das mache ich nicht. Ich kläre auf.

Und zu den PCR Test kann ich Ihnen sagen, dass dort eine Fehlerquote ist.

Davon abgesehen ist der PCR Test ja nicht unbedingt das Mittel der Wahl um symptomfreie Menschen zu testen.

Da waren wir von Anfang an der Meinung, wieso werden nicht andere diagnostische Mittel herangezogen. Beziehungsweise, warum wird ein Mensch, wenn der PCR Test positiv ist, als krank bezeichnet, obwohl er noch keine Symptomatik hat. Aber wenn er eine Symptomatik hat, wird die Symptomatik nicht ans Krankenhaus weitergegeben

Also das sind Defizite, das hat nichts mit Fake-News zu tun.

Aber Herr Reich, wenn in ihrem Wahlprogramm für die Bundestagswahl steht: „ein PCR-Test, der laut Entwickler und WHO allein nicht zum Infektionsnachweis geeignet ist“. Wenn das da so drin steht, die WHO das aber nie so gesagt hat, im Gegenteil, das dementiert und noch mal richtig gestellt hat, wenn das so in Ihrem Wahlprogramm steht, dann ist es doch eine Verhohnepipelung der Menschen und eine große Verunsicherung die geschaffen wird dadurch, dass Sie Dinge behaupten, die nicht wahr sind, von Institutionen denen man eigentlich Vertrauen möchte.

Thomas Reich AfD:

Sie haben doch gerade vorgelesen, was in unserem Wahlprogramm drinsteht.

Da haben wir doch reingeschrieben, das diese beiden Test nicht die geeigneten diagnostischen Mittel sind.

Das sagt die WHO aber nicht. Das sind ja Dinge, die bei Corona-Leugner und Querdenker kursieren, die es sich zur Aufgabe gemacht haben solche Dinge zu verbreiten. Und Sie schnappen die offenbar auf und verbreiten sie ungeprüft weiter.

Thomas Reich AfD:

Nein, von Querdenkern übernehme ich sowieso nichts. Wir würden auch nichts ungeprüft übernehmen.

Der große Unterschied zu den Regierenden ist, dass wir andere Veröffentlichung lesen, dass wir uns mit anderen Experten zusammen tun und uns dort beraten und dieses von denen auch bestätigt wird. 

Also, insofern ist das nicht von uns eine Fake-News, die wir in die Welt setzen.

Wir wollen damit auch nicht Menschen verunsichern.

Das ist Aufklärung.

Aufklärung mit falschen Nachrichten?

Thomas Reich AfD:

Nein, das ist es nicht, da widerspreche ich Ihnen wieder.

Ich habe noch ein anderes Beispiel. 

Sie behaupten ja zum Beispiel auch, der Schutz durch Maskentragen sei nicht evidenzbasiert und nicht im Sinne der Bürger:innen. Aber zum einen gibt es genug Studien, die Maske-Tragen als Schutz in den Situationen, wo man keinen Abstand halten kann, nachgewiesen haben. 

Thomas Reich AfD:

Welche Maske meinen Sie?

Es gibt natürlich Abstufungen, aber kein Aerosol-Forscher wird Ihnen erzählen, dass selbst ein einfacher Masken-Schutz keinen Schutz bietet. Und dann sagen sie ja noch, es sei nicht im Sinne der Bürger:innen. Dabei sagen seit Monaten alle Umfragen, dass mindestens 60% der Bürger:innen für die Maßnahmen sind und darüber hinaus wünschen sich manche noch strengere Maßnahmen. Also, da kann man nicht sagen, dass dies nicht im Sinne der Bürger:innen ist.

Thomas Reich AfD:

Da kann ich auch wieder fragen, wer hat die Umfrage gemacht, wurde da ein bestimmtes Klientel ausgewählt, um solche Umfrageergebnisse zu kriegen.

Ich kriege von anderen Bürgern und durch andere Quellen eben andere Aussagen.

Und noch mal zu den Masken.

Von Anfang an habe ich das mit den Masken kritisch gesehen.

Das heißt, nicht kritisch, weil ich das ablehne.

Sondern genau diese Frage, die Sie mir ja eben auch nicht beantworten konnten.

Sie reden von Aerosolen, ich rede davon, wenn wir eine medizinische Maske tragen, also eine sogenannte OP-Maske tragen, dann ist es ein Fremdschutz, aber kein Eigenschutz.

Das wissen die Bürger aber nicht. Ich habe zu Hunderten beobachtet, dass Bürger, zum Beispiel im ÖPNV, wo ja Abstandsregeln auch nicht eingehalten werden, viel zu eng stehen. Und das dann die Aerosole vom Nachbarn eingeatmet werden können. Die Maske suggeriert dann ein Schutz, ist aber kein Schutz.

Warum klären Sie dann nicht darüber auf? Wie man die Masken richtig trägt und wie man sich richtig verhält, wenn man Maske trägt.

Aber wenn Sie sagen, Maske-Tragen sei nicht evidenzbasiert, dann suggerieren sie ja, man könne es gleich sein lassen.

Thomas Reich AfD:

Wenn Sie das daraus interpretieren. Ich nicht.

Da gibt es aus meiner Sicht zu wenig Studien und sie sehen ja selbst, es ist nicht transparent, die Bürger haben es nicht mal verstanden. Das ist die Aufgabe der Regierenden.

Wir als Opposition decken es auf, klagen es an und sagen es auch.

Wie steht die AFD denn zum Impfen? Ich habe noch keinen Aufruf gehört, wo sie die Menschen animieren sich impfen zu lassen.

Thomas Reich AfD:

Wenn Sie unser Wahlprogramm lesen, wissen Sie ganz genau, dass wir immer wieder sagen, impfen soll freiwillig und muss jedem selbst überlassen sein.

Bei uns stehen die Risikogruppen und systemrelevanten Gruppen im Vordergrund.

Und es muss Aufklärung und eine Studie, die immer noch nicht vorhanden ist, darüber geben, was für Nebenwirkungen diese Notfallzulassungen haben.

Da gibt ja nun mittlerweile etliche Studien. Es ist etliche Monate her, das Millionen von Menschen geimpft wurden sind. Dementsprechend gibt es etliche Studien zu direkten Impfnebenwirkungen.

Thomas Reich AfD:

Das sind die direkten Impfwirkungen. Aber wir wissen noch nichts über die Langzeitfolgen.

Ja, aber die Mehrheit der Mediziner geht davon aus, dass wenn es eine unerwünschte Wirkung gibt, die dann kurz nach der Impfung auftritt, aber nicht erst in zwei oder drei Jahren. Die Wahrscheinlichkeit sieht man als sehr sehr gering an.

Aber wollen Sie die letzte Wahrscheinlichkeit noch nutzen um Verunsicherung zu verbreiten?

Thomas Reich AfD:

Nein, es geht nicht um Verunsicherung, sondern es geht um den Schutz und die Verantwortung dem Bürger gegenüber.

Also einer Notfallzulassung der Impfstoffe nicht den freien Lauf zu lassen und zu sagen, es hat nun ein halbes Jahr nur kurzzeitige Nebenwirkung gegeben, wobei man fast täglich im Ärzteblatt lesen kann, auch gerade in Australien ist wieder eine Patientin an einer Myokarditis (Herzmuskelentzündung) nach einer Impfung gestorben. Es gibt verschiedene andere Nebenwirkungen mittlerweile. Es wird halt sehr moderat und sehr zurückhaltend veröffentlicht. Man muss da suchen und sich mit den entsprechenden Ärzten auseinandersetze.

Halten Sie die Impfung denn für eine vertretbare Sache, um der Pandemie Herr zu werden?

Thomas Reich AfD:

Also ich sehe es schon, dass es mit ein Baustein ist, beziehungsweise eine Möglichkeit ist, diese Pandemie anzugehen.

Es wurden ja schon genug Fehler gemacht, aber es wundert mich, dass im medikamentösen Bereich so wenig geforscht und gemacht wird. Aber es ist ja sowieso wichtig, dass man in allen Bereichen dieser Pandemie forscht und den Menschen natürlich möglichst viele Instrumente oder Möglichkeiten an die Hand gibt, dass ihnen nichts passiert.

Impfen kann schon immer ein wichtiger Beitrag zum Gesundheitsschutz sein, aber er muss freiwillig sein und die Menschen müssen darüber aufgeklärt sein.

Großbritannien hat ja nun als erstes Land alle Corona-Schutzmaßnahmen aufgehoben, Dänemark ist gerade gefolgt. Die Infektionszahlen in Großbritannien sind allerdings darauf hin stark angestiegen, es sind auch wieder mehr Menschen ins Krankenhaus gekommen und es sind auch wieder mehr Menschen gestorben.

Wann sollte Ihrer Meinung nach Deutschland alle Maßnahmen aufheben?

Thomas Reich AfD:

Also, wir haben ja jetzt mehrmals auch schon gesagt, das die Inzidenz-Zahlen nicht der richtige Parameter sind, um die Infektionszulage richtig zu beurteilen. 

Das sagen ja auch sämtliche anderen Mediziner mittlerweile. Es müssen ganz andere Parameter mit herangezogen werden. Eben die Auslastung der Intensivbetten, wie viele Menschen kommen in die Krankenhäuser. In welchen Alterskohorten ist wie die Infektionslage.

Wir wissen, dass die jüngere Menschen, die sich im Moment immer mehr infizieren, zum größten Teil, zum Glück, was wirklich mehr als schön ist, sehr milde Verläufe haben. Auch wenn dort vereinzelt mal schwere Verläufe sind.

Aber wie sieht die Situation aus, die vorherrschen müsste damit sie sagen, jetzt können alle Maßnahmen aufgehoben werden, so wie Großbritannien das gemacht hat?

Thomas Reich AfD:

Übrigens hat die Regierung, so hat es Herr Spahn auch gesagt: Sobald jeder ein Impfangebot bekommen hat, können wir die Maßnahmen aufheben.

So, und mittlerweile ist das Impfangebot da. Wir haben jetzt schon eine Durchimpfung, zwar nicht in der Höhe wie Dänemark von 80 Prozent, sind aber jetzt schon bei den Erstimpfungen bei 64 Prozent, und bei den vollständig Geimpften bei 60 Prozent, und wir haben ja nun auch noch das ganze Spektrum von Maßnahmen, die wir auch noch anwenden.

Wo nur leider auch wieder verzögert vorgegangen wurde.

Ich denke nur an die Belüftungsanlagen für Schüler in den Schulräumen. Also dort hätten die Regierenden viel früher reagieren können.

Wenn ich daran denke, jetzt steht ja der Winter vor der Tür, dass dann die Kinder wieder frieren müssen.

Also wir haben schon eine Bandbreite an Instrumenten und Möglichkeiten, um wirklich in Richtung normalen Leben wieder zurückzuführen.

Der Zeitpunkt ist also noch nicht da, es muss noch etwas passieren?

Thomas Reich AfD:

Wir müssen die Exit-Strategie jetzt loslegen.

Wir müssen jetzt noch mal analysieren und sehen, wie weit jetzt vielleicht in 2-3 Wochen die Impfquote ist.

Aber ich sehe da schon Dänemark und Großbritannien als Vorbild.

Davon abgesehen muss ich auch wirklich sagen, dass es die Menschen auch nicht noch einmal aushalten werden, so drangsaliert zu werden.

Sie machen es also auch an der Impfquote fest?

Thomas Reich AfD:

Natürlich hat die Impfquote auch einen Einfluss drauf.

Aber eben auch andere Parameter. Wir haben genug Intensivbetten im Moment.

Die Krankenhäuser sind drauf vorbereitet. Wir haben jetzt mehr als zwei Jahre Erfahrung, und wir haben jetzt wirklich auch genug Masken und Hygienekonzepte.

Der Instrumentenkasten ist so groß, dass man einfach nicht mehr nachvollziehen kann, dass wir immer noch mit Maßnahmen, und gerade wir in Hamburg mit den strengsten, leben müssen.

Herr Reich, wenn Sie die Impfquote auch als Gradmesser sehen, dann wäre es doch mal eine Maßnahme, dass die AFD auch ihre Anhängerschaft, und da gibt es mutmaßlich bestimmt viele Impfverweigerer oder Skeptiker, dazu aufrufen würden sich impfen zu lassen. Damit wir alle sicherer sind und wieder unsere Freiheit genießen können.

Warum machen Sie das nicht?

Thomas Reich AfD:

Erstens haben wir keine Impfverweigerer, sondern maximal Impfskeptiker.

Es muss jeder für sich Risiko und Nebenwirkung abschätzen.

Es kann aber nicht sein, dass es gesteuert wird.

Und wir sagen doch ganz deutlich, wir haben doch auch andere Möglichkeiten.

Wir haben ja auch einen ganz wichtigen Faktor vergessen. Es können nicht alle Menschen geimpft werden. Es gibt Schwangere. Es gibt Menschen, die können aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden.

Aber die machen jetzt nicht die 30-40 Prozent aus, die noch fehlen.

Thomas Reich AfD:

Sind Sie jemals davon ausgegangen, dass Sie eine Impfquote von 100% bekommen?

Nein, davon spricht ja auch niemand. Aber unter den 30-40 Prozent gibt es sicher noch viele, die man erreichen könnte.

Thomas Reich AfD:

Wir sind ja schon bei einer guten Impfquote und wir haben das Impfangebot.

Und danach wird alles aufgehoben, wurde von der GroKo, wurde von Herrn Spahn gesagt.

Sie können doch aber nicht jeden Menschen zu seinem Glück zwingen. Das muss doch jeder für sich entscheiden. Deswegen darf man ihm aber die Grundrechte nicht entziehen.

Für mich ist der Unterschied, ob man Menschen ermutigt und ihnen die Angst nimmt oder ob man die Angst schürt und ihre Befürchtungen bestätigt. Und meiner Meinung nach tun Sie, indem Sie Meldungen verbreiten die verunsichern aber nachweislich falsch sind, genau das.

Thomas Reich AfD:

Nein, das machen wir nicht, dem widerspreche ich.

Ich habe Ihnen Beispiele genannt.

Thomas Reich AfD:

Wenn Sie meinen das sind Beispiele, dann haben Sie vielleicht die Aussagen nicht richtig verstanden.

Sie sagen wir machen Angst, die Regierung macht aber Angst vor Corona.

Wenn jemand sagt, vielleicht bekomme ich durch Corona einen schweren Verlauf, vielleicht bekomme ich aber, wenn ich Pech habe, durch die Impfung eine Myokarditis (Herzmuskelentzündung).

Ja, für was soll er sich denn entscheiden? Für Pest oder Cholera?

Im Zweifel der Mehrheitsmeinung der Ärzteschaft vertrauen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, das eine oder das andere zu bekommen.

Thomas Reich AfD:

Das liegt doch aber am Versagen des Staates und der Regierung.

Warum haben die Menschen kein Vertrauen mehr?

Weil soviel Vertrauen verspielt wurde.

Das haben wir nicht verspielt, das hat die Regierung verspielt.

Aber Sie schüren ja mit Ihrer Politik, mit Ihren Aussagen dieses Misstrauen.

Thomas Reich AfD:

Wir decken auf, aber wir schüren nichts.

Sie decken auf, das Ungeimpfte aus Supermärkten ausgeschlossen werden sollen.

Thomas Reich AfD:

Nein. Haben Sie denn vorher schon mal an 2G gedacht? Also ich nicht.

Aber wenn man so etwas fortsetzt und in diesen Kategorien weiter solche Maßnahmen verordnet, dann ist es doch nicht ganz abwegig. 

Erklären Sie mir doch mal oder einem Bürger, warum kann er sich im Supermarkt nicht anstecken, aber in einem Textilladen, wo er mit den gleichen Personen ist, muss er seine Kontaktdaten hinterlegen. Erklären Sie mir mal die Logik dazu.