Pflegenotstand Krankenhausfinanzierung Ambulante Versorgung Bürgerversicherung Digitalisierung
Interviews mit Hamburger Gesundheitspolitiker:innen
Niels Holsten / 22. September 2021
Im Gesundheitswesen liegt einiges im Argen.
In der Pflege fehlen tausende Arbeitskräfte, perspektivisch sprechen einige von hunderttausenden. Während der Pandemie hat man gesehen, dass es regelrechte Fluchtbewegung aus dem Beruf gab. Auch schon vorher klagten Pflegekräfte über die Arbeitsbedingungen, die über alle Maßen belastend seien.
Viele machen die Umstellung der Krankenhausfinanzierung, weg vom Kostendeckungsprinzip, hin zu Fallpauschalen, für die Situation in den Krankenhäusern verantwortlich. Dies hätte viele Krankenhäuser in finanzielle Bedrängnis gebracht, sie zum Sparen gezwungen und zu einem Privatisierungschub, sowie zum Krankenhaussterben geführt. Letztendlich so auch die Arbeitsverdichtung befördert und damit die Arbeitsbedingungen verschlechtert.
In der ambulanten Versorgung sind die niedergelassenen Praxen sehr ungleich verteilt. Auf dem Land und den ärmeren Stadtteilen Hamburgs gibt es ein Ärzt:innenmangel, während sich in den wohlhabenden Gegenden Hamburgs die Praxen sammeln. Gesetzlich Versicherte müssen teils lange auf einen Termin bei Fachärzt:innen warten, während Privatversicherte sofort einen Termin erhalten. Auch Corona hat gezeigt, die ärmeren Bevölkerungsschichten sind besonders von der Pandemie betroffen und werden schlechter erreicht. Zum Beispiel beim Impfen sieht man es jetzt.
Einige sehen in der Einführung einer Bürgerversicherung, in der alle einzahlen und alle die gleichen Leistungen bekommen, eine Lösung um Ungleichbehandlungen im Gesundheitswesen aufzulösen.
Andere wiederum legen ihre Hoffnungen in die Digitalisierung des Gesundheitswesen. Durch die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA), durch Telemedizin und digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) erhofft man sich große Einsparungen, Entlastung von Bürokratie und eine bessere Versorgung der Patient:innen, gerade in den abgehängten Regionen. Gleichzeitig steht die Sorge vor einem Missbrauch der Gesundheitsdaten, und die Befürchtung einer neuen Ungleichbehandlung im Raum. Zwischen denen, die digital alles bekommen, und denen, die nicht digital sein können oder wollen.
Welche Antworten, Ideen und Lösungen die Gesundheitspolitiker:innen der in der Bürgerschaft vertretenen Parteien zu diesen dringenden Themen haben, lesen Sie hier in den Interviews.