Die Gesundheitspolitik der AfD
Interview vom 02. September 2021, 12.00 Uhr
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Herr Reich, wie sieht für Sie das ideale Gesundheitssystem aus?
Thomas Reich, AfD:
Das idealste Gesundheitssystem ist das, welches auf die Patienten zugeht, beziehungsweise das, das Angebote für die Menschen macht.
Das heißt es muss so sein, dass wirklich der Mensch im Vordergrund steht, und dass dementsprechend alles auf den Menschen orientiert ist.
Das die medizinische Versorgung wohnortnah ist.
Unser Gesundheitssystem hat jetzt natürlich deutlich gezeigt, wie ein Brennglas durch die Corona-Pandemie, wo es doch erhebliche Schwächen hat.
Deswegen sagen wir von der AfD, dass dort erheblicher Nachbesserungsbedarf ist.
Für uns steht der Mensch im Vordergrund.
Die Medizin muss genau menschenorientiert ausgerichtet sein und die medizinische Versorgung so dicht wie möglich an den Menschen heran getragen werden.
Der Pflegenotstand
In der Pflege haben wir einen akuten Arbeitskräftemangel, die Arbeit für das Personal hat sich stark verdichtet und die Arbeitsbedingungen sind schlecht. Bezogen aufs Bundesgebiet fehlen tausende Arbeitskräfte. Hunderttausende werden für die nächsten Jahrzehnte prognostiziert. Es fangen viele eine Ausbildung an, die aber auch oft wieder abgebrochen wird, nachdem sie den Arbeitsalltag kennengelernt haben.
Wie will die AFD für mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern und in der ambulanten Altenpflege sorgen?
Thomas Reich, AfD:
Wir sehen genau diese Defizite. Und auch, dass aufgrund der steigenden Patientenzahlen und des demografischen Faktors, der Bedarf immer größer wird, und leider das qualifizierte Personal abnimmt.
Deswegen ist unser Ansatz, weiter qualifiziertes Pflegepersonals zu suchen und zu aquirieren. Das heißt aber auch mit anderen Worten, wir müssen diesen Pflegeberuf noch attraktiver machen.
Das hat jetzt sicher auch noch mal die Corona-Pandemie gezeigt, was für ein systemrelevanter Beruf die Pflege ist. Und das die Menschen nicht nur einen Handschlag verdient haben, sondern auch mehr Vergütung. Die Vergütung reicht nicht aus.
Es muß die Ausbildung auch so ausgerichtet werden, dass der Beruf attraktiv ist, dass der Pflegeberuf auch Möglichkeiten bietet sich weiterzuentwickeln.
Was schwebt der AFD denn da vor an Gehaltsaufbesserungen?
Thomas Reich, AfD:
Ich würde das jetzt nicht an einen Betrag festmachen, sondern wir fordern, dass alle Pflegekräfte einen Flächentarifvertrag bekommen mit steuerfreien Nacht-, Sonn- und Feiertagszuschlägen.
Das ist eigentlich unabdingbar. Denn das ist das, was wir ja unbedingt auch brauchen.
Die Pflegekräfte arbeiten in Schichtdiensten, die für sie nicht mehr attraktiv sind, wenn sie nicht steuerfrei sind.
Dieses ist unsere Forderung. Wir nennen jetzt erstmal keine Summe, aber es sollte in eine Richtung gehen, die wirklich attraktiv ist für die Pflegekräfte. Und wo sie letztendlich später auch nicht in Altersarmut enden. Außerdem muss es auch wirklich honoriert werden, was in der Pflege geleistet wird. Das ist bei vielen Menschen, glaube ich, noch nicht angekommen. Da muss man immer wieder sagen: Danke und Hut ab vor diesen Pflegekräften. Was die leisten täglich, das ist schon herausragend.
In Deutschland arbeiten in der Pflege auch über 150 000 Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft. Ohne sie wäre die Situation noch prekärer.
Sollten wir da nicht dankbar sein, dass diese Menschen zu uns kommen und hier arbeiten, auch für die Zukunft? Denken Sie an die demografische Entwicklung.
Thomas Reich, AfD:
Richtig, das ist unabdingbar.
Ohne diese Pflegekräfte mit Migrationshintergrund könnten die Stationen gar nicht mehr richtig besetzt werden. Der Pflegeschlüssel würde es überhaupt nicht mehr hergeben.
Natürlich müssen diese Pflegekräfte uns hier weiter unterstützen.
Leider wurde die Gesundheitspolitik von den vorigen Regierungen sehr vernachlässigt oder ist gar nicht berücksichtigt wurden. Dadurch ist es natürlich zu einem hohen Gap gekommen, der jetzt nicht sofort schließbar ist. Der kann nur geschlossen werden, indem wir Fachkräfte anwerben und diese Fachkräfte mit Migrationshintergrund einsetzen und dementsprechend weiter ausbilden. Allerdings würde ich, sagen wir von der AFD, müssten dort bestimmte Voraussetzungen gegeben sein. Sprachkenntnisse auf Sprachniveau C1 müsste Voraussetzung sein. Es müssten bestimmte Qualifikation noch mal geklärt werden. Den Pflegekräften muss die Möglichkeit gegeben werden in Crash-Kursen noch mal nachzubessern. So dass wir auf einem hohen Qualitätsniveau sind und diese Pflegekräfte dann auch mit anderen Pflegekräften zusammen gute Arbeit leisten, die sie ja sowieso machen.
Das Geld ist ja nur das eine um die Arbeitsbedingungen zu verbessern, beziehungsweise um mehr Menschen in den Beruf zu bekommen. Wenn man die Beschäftigten fragt, geht es immer mehr um die Arbeitsbedingungen. Das steht an erster Stelle, noch vor dem Geld.
Was muss sich da ändern?
Natürlich hat das viel mit der Arbeitsverdichtung zu tun, aber kann man da auch mehr Daumenschrauben an Betreiber von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen anlegen um die Arbeitsbedingungen zu verbessern?
Thomas Reich, AfD:
Auf jeden Fall, also ich denke schon.
Ich hatte es ja eben schon angedeutet mit dem Pflegeschlüssel. Das der auf jeden Fall durchgesetzt wird, wenn er nicht sogar angehoben werden müsste.
Gerade bei einigen Klinikketten muss darauf hingewirkt werden, dass die Pflegekräfte entsprechende Bedingungen haben. Und da muss die Politik auch viel machen.
Uns schwebt zum Beispiel vor, das Klinikketten und auch staatliche Krankenhäuser für bezahlbaren Wohnraum für ihr Pflegepersonal sorgen.
So kenne ich es aus der Vergangenheit, ich habe viel im Marienkrankenhaus gearbeitet.
Das man dort Schwesternheime oder Pflegekraftwohnungen einrichtet, gerade auch in den Ausbildungsjahren, wo sie noch nicht so hoch vergütet werden.
Das sie für ihre Ausbildung gute Voraussetzung haben, das ist denke ich eines der entscheidenden Sachen, die sie brauchen. Sonst wird es nicht attraktiv.
Und natürlich muss auch immer wieder evaluiert und controlled werden, wie die Arbeitsbelastung ist. Das die Pflegekräfte auch sehen, dass ihr systemrelevanter Beruf hoch gewertschätzt wird. Es muss natürlich verhindert werden, dass, wie in der Corona-Pandemie, trotz Vergütung, eine Flucht einsetzt, weil die Belastung einfach zu groß war.
Die Krankenhausfinanzierung
Beim Thema Krankenhäuser ist die Finanzierung auch immer ein großes Thema. Viele machen die Fallpauschalen, die sogenannten DRGs für die Arbeitsverdichtung verantwortlich.
Welches Finanzierungssystem für die Krankenhäuser schwebt der AFD vor? Können die Fallpauschalen bestehen bleiben oder muss etwas anderes an deren Stelle treten?
Thomas Reich, AfD:
Wir sehen die Fallpauschalen sehr kritisch. Aus unserer Sicht ist die Kostentransparenz nicht gegeben. Wir sagen, dass wir von der Fallpauschale wegkommen müssen und fordern daher die Einführung eines Individualbudgets für Krankenhäuser.
Wie soll das konkret aussehen? Das jedes Krankenhaus sagt, was es braucht und das wird bezahlt?
Thomas Reich, AfD:
Das ist jetzt einfach gesagt. Natürlich muss bei dieser Individualfinanzierung das Leistungsgeschehen in den Krankenhäusern überprüft werden.
Und dazu muss natürlich auch der medizinische Dienst im Gesundheitswesen noch weiter ausgebaut werden und muss das dementsprechend mit unterstützen. Wir können da gerne weiter ins Detail, aber ich denke das ufert aus.
Das klingt tatsächlich ein bisschen nach ausufern von Bürokratie. Die Überprüfung der Krankenhäuser und der Budgets scheint ja erstmal ein Anstieg von Bürokratie zu sein. Wenn jedes Krankenhaus sein eigenes Budget bestimmen kann, das dann kontrolliert werden muss.
Thomas Reich, AfD:
Das sehen wir nicht so. Wenn man dort entsprechend die Prozesse analysiert und das mit dem medizinischen Dienst im Gesundheitswesen hervorragend herausarbeitet, dann wird das klinische Leistungsgeschehen sehr schnell transparent und kann abgebildet werden. Dann kann man das ohne großen Bürokratieaufwand umsetzen und hinbekommen.
In den letzten Jahrzehnten gab es ja einen regelrechten Privatisierungsschub in den Krankenhäusern. Viele Kommunen haben ihre Krankenhäuser verkauft. Hamburg hat seinen Landesbetrieb Krankenhäuser komplett verkauft – hauptsächlich an Asklepios.
Die AfD will die private Trägerschaft auf 60 Prozent begrenzen. Wie kommen sie auf die 60 Prozent? Da wäre dann ja noch viel Platz für weitere Verkäufe. Aktuell sind so um die 40 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland in privater Trägerschaft.
Thomas Reich, AfD:
60 Prozent ist die oberste Maximalquote, wo wir sagen, mehr darf auf gar keinen Fall privatisiert werden.
Aber aus welchen Gründen die 60 Prozent? Warum nicht 50 oder 40. Warum nicht jetzt ein Stop?
Thomas Reich, AfD:
Weil wir sagen, im Moment sind die staatlichen Krankenhaus in gewisser Schieflage und diese Klinikketten arbeiten recht gut.
Allerdings sehen wir aber auch, das wenn zum Beispiel Groß Sand in Wilhelmsburg auch privatisiert wird und nicht in die staatliche Hand übernommen wird, das es dann doch zu Verwerfung führt. Und dass würden wir nicht mittragen.
Dementsprechend ist für uns die 60 Prozent die maximale Obergrenze für die privaten Träger.
Wie soll das funktionieren? Ich stelle mir vor, es werden die 60 Prozent ausgerufen und dann gibt es einen Run. Alle versuchen noch schnell ihre Krankenhäuser zu verkaufen bevor die 60 Prozent erreicht sind. Das könnte ja einen regelrechten Strudel mit sich bringen.
Thomas Reich, AfD:
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es jetzt wirklich so eine Sogwirkung oder so eine Eskalation nach sich ziehen würde. Ich geh mal davon aus, dass es sich einspielen wird und dass es auch ausgewogen ist. Also ich kann mir nicht vorstellen, dass es unter den gegebenen Umständen wirklich zu so einem Run kommt. Das ist für mich nicht vorstellbar.
Es ist ja auch denkbar Krankenhäuser wieder zu rekommunalisieren. Das fordern ja auch einige. Zum Beispiel die Hamburger Krankenhäuser wieder in Hamburger Hände zu bekommen.
Wie stehen sie, wie steht die AfD dazu?
Thomas Reich, AfD:
Wie ich schon angedeutet habe, will ich, dass zum Beispiel Groß Sand auf jeden Fall von der kirchlichen Hand in die staatliche übernommen wird. Wir hatten ja den Antrag in der Bürgerschaft, dass das UKE sich daran beteiligen soll. Das ist ja leider vom UKE abgelehnt worden. Wir sagen schon, dass wir das mittragen würden. Wir würden das immer von Fall zu Fall betrachten.
Also die Krankenhäuser komplett von Asklepios zurückkaufen, das sehen Sie nicht?
Thomas Reich, AfD:
Nein, das sehe ich nicht.
Die Ambulante Versorgung
Herr Reich, die niedergelassenen Ärzt:innen sind in Hamburg sehr ungleich verteilt. Gerade in sozial schwachen Stadtteilen, wo auch viele Menschen mit Migrationshintergrund leben, wo die Krankheitslast am größten ist und die Mobilität im geringsten, fehlt es oft an ausreichenden Ärzt:innen, insbesondere im Fachärzt:innenbereich.
Wie wollen Sie dafür sorgen, dass diese Bevölkerungsgruppen Zugang zu einer guten medizinischen Versorgung bekommen?
Thomas Reich, AfD:
Ja, das ist das Problem. Man könnte es vergleichen mit dem ländlichen Raum. Allerdings haben wir in Hamburg größere Möglichkeiten.
Wir wollen aber nicht in Richtung Planwirtschaft, dass wir es steuern. Aus unserer Sicht ist es so, und ich halte es für das attraktivste Modell, dass man in den entsprechenden Gebieten, wo es diese Defizite gibt, die Attraktivität für die Ärzte erhöht.
Ich könnte mir vorstellen, dass man dort beim Bezug einer Praxis unterstützt. Das man dort entsprechende Kredite anbietet. Das man dort Anreizmodelle schafft, dass die Ärzte dort hingehen. Was aber auf keinen Fall sein darf, dass man Ärzte dazu zwingt in bestimmte Stadtteile zu gehen. Das muss die freie Wahl des Arztes sein.
Es gibt ja Planungsgebiete. Das ist vielleicht auch das Problem von Hamburg, das Hamburg als ein Planungsgebiet gilt und man das eben nicht stadtteilbezogene sieht.
Also, wenn sie in Hamburg 1000 Ärzt:innen zulassen, dürften die sich alle in Blankenese niederlassen und keiner müsste ausweichen. Wenn wir aber sagen könnten, in Blankenese 10, in Wilhelmsburg 10 und so weiter, dann würde die Verteilung funktionieren.
Kann man in dem Rahmen der Bedarfsplanung politisch eingreifen in dem man Hamburg aufteilt in unterschiedliche Planungsgebiete.
Thomas Reich, AfD:
Ja, ich würde sagen, schon. Man muss da Bedarfsorientierung machen und erstellen, zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung. Und aufzeigen, wo der Bedarf an größten ist.
Aber ich bin da vorsichtig, alles zu steuern. Wenn eben doch ein Arzt sagt, nein, in dieses Gebiet möchte er sich nicht niederlassen, dann wird es natürlich schwierig.
Ich habe selbst vor kurzem in Wandsbek gesehen, dass ein großer Bedarf an Kinderärzten besteht. Das dort schon Familien aus Altona kommen, weil dort in bestimmten Stadtteilen Kinderärzte keine Patienten mehr aufnehmen.
Die Bürgerversicherung
Ärzt:innen lassen sich ja bevorzugt dort nieder, wo es einen hohen Anteil an Privatpatient:innen gibt. Das ist ein sehr großer Anreiz.
Wie steht die AFD zu einer Bürgerversicherung und damit zur Abschaffung des bisherigen dualen Krankenversicherungssystem von gesetzlichen und privaten Krankenkassen.
Thomas Reich, AfD:
Wir sagen, dass es weiterhin dual sein muss. Auf gar keinen Fall darf die PKV einfach so abgeschaltet oder zusammengelegt werden. Es ist natürlich das Problem, was Sie eben geschildert haben, dass die Attraktivität bei vielen Ärzten immer noch die Privatpatienten sind, und sie sich dementsprechend danach ausrichten. Und da muss natürlich einiges geschehen.
Wie schaffen Sie es, die Ungleichbehandlung zwischen Privat- und Kassenpatient:innen aufzulösen? Man merkt es ja dann auch immer selber, bei Terminvergaben oder bei der Wartezeit im Wartezimmer.
Thomas Reich, AfD:
Da hat ja die letzte Koalition, die GroKo, auch schon gesagt, dass solche Wartezeiten nicht mehr sein dürfen, und das steuern wir natürlich auch an.
Und es kann auch nicht sein, dass wir in eine Zweiklassengesellschaft kommen. Das die PKV-Patienten vorrangig behandelt werden und die GKV-Patienten nicht behandelt werden.
Aber wie wollen sie das schaffen? Noch können die Praxisinhaber:innen, die Ärzt:innen, ihr Management selbst vornehmen. Die privaten Krankenkassen bezahlen halt mehr für bestimmte Behandlung und werden daher auch bevorzugt.
Welche Ideen hat die AfD da?
Thomas Reich, AfD:
Da schwebt uns vor, dass wir dort Einfluss nehmen als Politik. Das wir von der Kopfpauschale weggehen, von der Budgetierung und der willkürlichen Kürzung. Das wir davon weggehen und eine leistungsgerechte Bezahlung innerhalb der GKV wieder einführen. Das die Ärzte wieder sehen, dass auch GKV-Patienten attraktiv für sie sind.
Das heißt, die Gesetzliche Krankenversicherung müßte ihre Honorare, denen der Privatkassen angleichen?
Thomas Reich, AfD:
Das wird wahrscheinlich sehr schwierig werden. Weil private Krankenkassen anders aufgestellt sind als die Gesetzlichen Krankenkassen.
Aber ich denke mal, wenn die Kopfpauschalen anders wären oder wegfallen, dass auf jeden Fall die Attraktivität wieder so gegeben wäre, das GKV-Patienten auf jeden Fall auch wieder für einen niedergelassenen Arzt attraktiv sind.
Wobei ich ja immer auch davon ausgehe, dass Ärzte ihren Eid geschworen haben und nicht nur profitorientiert sind. Allerdings kann ich nachvollziehen, dass einige Ärzte natürlich auch gucken müssen, dass sie mit ihren Honoraren zurechtkommen. Denn eine Praxis ist nicht günstig.
Warum verteidigen sie die privaten Kassen, was haben sie gegen eine Bürgerversicherung? Wo alle einzahlen und alle die gleichen Leistungen beziehen.
Thomas Reich, AfD:
Wir sagen, dass der Bürger selbst entscheiden soll, in welche Kasse er will.
Das geht in die gleiche Richtung, wie bei der Rente. Das alle in eine Rente einzahlen sollen.
Und Sie sehen ja, wie die Reaktionen sind. Selbst wenn Politiker angesprochen sind, dass sie mit in das Rentensystem einzahlen sollen.
Die Digitalisierung des Gesundheitswesen
Herr Reich, in die Digitalisierung des Gesundheitswesens setzen viele große Hoffnung. Beispielsweise immense Einspareffekte oder auch eine bessere Versorgung von Patienten, gerade von denen, die in abgelegenen Regionen leben.
Teilen Sie diese Hoffnung?
Thomas Reich, AfD:
Ich teile diese Hoffnung, habe aber auch leichte Bedenken hinsichtlich der Digitalisierung.
Sie bringt auf jeden Fall einen Fortschritt. Sie wird vieles beschleunigen, viel Bürokratieabbau bringen. Es wird auch viel möglich sein aufgrund des Technik- und Digitalzeitalters, und mit der voranschreitenden KI (Künstliche Intelligenz).
Ich sehe da viele Vorteile, aber wir sehen auch einige Bedenken hinsichtlich der Daten. Gesundheitsdaten sind die sensibelsten Daten, die es gibt. Die sind so personenbezogen, und da spreche ich auch als Datenschutzbeauftragter, da sollte man sich unbedingt vergewissern, wo die Daten, die vorgehalten werden, gespeichert werden, wie sie verwendet werden, wie sie zur Verfügung gestellt werden. Ich weiß, dass man immer sagt, es gibt nicht hundertprozentige Sicherheit, aber hier sollte man wirklich die größten Sicherheitsvorkehrungen treffen, die möglich sind.
Nun ist die elektronische Patientenakte seit Anfang des Jahres aktiv. Sehen Sie denn da noch Defizite im Datenschutz?
Thomas Reich, AfD:
Zur Zeit habe ich noch nichts gelesen, dass dort irgendwelche sensiblen Daten an Dritte gekommen sind. Ich hoffe es bleibt so. Nichts desto Trotz könnte ich mir vorstellen, dass da eine Verwundbarkeit weiterhin besteht. Gerade, wenn ich hören, wie groß die Angst ist hinsichtlich der Bundestagswahl. Wie dort gerade das Innenministerium Vorkehrungen trifft gegen Hacker-Angriffe. Das ist Fakt, und da kann man auch nicht so schnell sagen, das wird es nicht geben. Gerade auch Krankenhäuser sind immer wieder im Fokus von Hackern. Wir haben da schon vieles jetzt erlebt, und da denke ich, ist höchste Vorsicht geboten.
Nichtsdestotrotz gehe ich auch davon aus, dass die besten Experten dabei sind. Bei den Anhörung, wo ich bisher daran teilnehmen durften, waren die Sachen bisher aus meiner Sicht vertretbar.
Zu den Einspareffekte. Woher sollen die eigentlich kommen? Wo soll eingesperrt werden durch Digitalisierung?
Thomas Reich, AfD:
Der größte Zeitfresser oder Zeitfaktor ist zur Zeit, gerade auch im Krankenhausbetrieb, der hohe Bürokratieaufwand. Da läuft vieles scheinbar noch mit Akten und verschiedene Prozesse im schriftlichen Verkehr. Wenn dort Fehler passieren ist es ein riesen Aufwand diesen Fehler zu finden, mit den entsprechenden Konsequenzen. Sollte das alles digitalisiert und elektronisch sein, wird es ein erheblicher Faktor in der Zeit sein. Was gerade auch im Pflegebereich aber auch bei den Ärzten eine zeitliche Einsparung ist.
Letztendlich kann man dann also Personal einsparen?
Thomas Reich, AfD:
Da würde ich ihnen wiedersprechen. Es ist nicht so, dass man sagt, wenn jetzt digitalisiert ist, dann werden wir drei Pflegekräfte dafür einsparen.
Aber wer spart denn da? Bürokratie wird abgebaut aber keine Arbeitskräfte. Wie schlägt sich das dann in den Kosten nieder?
Thomas Reich, AfD:
Das schlägt sich in Kosten nieder, sobald Kapazitäten frei werden.
Wenn die Krankenschwester statt 60 Prozent Bürokratieaufwand nur noch 30 Prozent hat, und sich dann zu 70 Prozent um den Patienten kümmern kann. Da muss ich deswegen eine Schwester aber nicht entlassen. Das wird sich auf die Arbeitsbelastung zum Vorteil der Patienten und der Ärzte auswirken.
Was machen wir mit denen, die die Digitalisierung nicht mitmachen wollen, sei es aus Altersgründen, weil sie den Anschluss verpasst haben bei der Digitalisierung, oder auch einfach aus Datenschutzbedenken, die Sie gerade geschildert?
Droht uns da eine neue Zweiklassengesellschaft in der Medizin? Die, die digitalisiert alles bekommen, was vorgesehen ist, und die, die nicht mitmachen können.
Thomas Reich, AfD:
Für die, die nicht mitmachen können, muss es natürlich die Übergangslösung geben.
Ich vermute mal, dass sie die Personen meinen, die nicht mit der Digitalisierung, mit diesem Zug, mitgelaufen sind. Die zu schulen wird sehr schwierig sein. Ich denke mal, die meisten sind älter und werden schon eine Pflegekraft oder andere Personen in der Familie um sich haben, die dort unterstützend zur Seite stehen.
Die Personen, die sich verweigern, das ist immer eine Schwierigkeit. Das sehen wir jetzt ja auch bei dem anderen Thema, Impfpflicht oder im Impffreiwilligkeit. Da stehen wir von der AFD immer für die Freiwilligkeit. Es darf keine Zwänge geben, aber es müssen die Menschen mitgenommen werden, und dieses kann man am besten aus meiner Sicht machen, wenn man es transparent macht und diese Menschen abholt.
Aber der Zwang entsteht ja auch immer durch die Entwicklung. Nehmen Sie das Flüge buchen. Sie schaffen es ja kaum noch Nicht-Online einen Flug zu buchen.Und so wird es dann vielleicht im Gesundheitsbereich auch sein. Das man irgendwann bestimmte Leistungen nur noch online in Anspruch nehmen kann.
Thomas Reich, AfD:
Das sehe ich noch nicht so. Aber ich bin ja auch noch jemand der zum Beispiel kein Online-Banking macht. Es gibt immer wieder Alternativen. Ich gehe davon aus, dass es nur ein kleiner Personenkreis sein wird. Die muss man so behandelt oder so mitnehmen, dass man sie mit versorgen kann. Ohne das man sie ausgrenzt und eine Zweiklassengesellschaft daraus macht. Das man da soviel Druck ausübt, dass es ein Zwang wird.